April 2011

Vorläufige Rettung einer Stil-Ikone

Nordiska? - Eingeweihte kennen diesen Namen als Inbegriff für solide schwedische Kompakt-Klaviere, typischerweise aus den 1970er/80er Jahren. Später bald zählte dieses Label zu den Pionieren derjenigen, die unter gut eingeführter europäischer Marke chinesische Produkte vermarkteten. Was wird mich also erwarten, wenn mir Herr Christian H. (in Hamburgs Nordosten) ein 112 cm Nordiska-Klavier ankündigt, das er für nur 600 Euro von einem Händler erworben habe?

Die Antwort: Ich wurde deutlich positiv überrascht. Zu sehen bekam ich ein sehr frühes und zweifellos schwedisches Nordiska aus den 1930er Jahren, klanglich und technisch gut konzipiert, solide gebaut, und mit deutscher Renner-Mechanik. Aber nicht nur das: Dieses Klavier ist optisch m. E. ein Diamant, mit klaren Formen leicht und kühn durchgestylt, sehr gediegen furniert, wunderbar als Vorläufer typischer skandinavischer Stilrichtungen späterer Jahre zu erkennen.

Dass der (mir seit Jahrzehnten bekannte) Hamburger Händler dieses Klavier derart günstig hergab, sei ihm gedankt, honi soit qui mal y pense... Wie dem auch sei, im Zuge der Bearbeitung offenbarte sich, dass bei diesem Klavier irgendwann in seinen achtzig Lebensjahren die Hammerkopffilze durch schwerste Intonationsfehler beschädigt wurden. Ich konnte sie wohl noch für einstweilig achtbare Nutzbarkeit retten; aber irgendwann in den nächsten Jahren steht eine größere Reparatur an. Ein Schnäppchen wird das Klavier dann nicht mehr sein. Ein Schatz aber umso mehr.

Lesen Sie die Geschichte mit den Worten von Herrn Hauck:

>> Als Klavier-Wiedereinsteiger suchte ich letztes Jahr ein günstiges Instrument, denn ich war mir unsicher, ob ich das Spielen wegen mangelnder Motivation oder Zeit nicht bald wieder aufgeben würde, zudem war der Geldbeutel nach einem Autokauf und eienm Umzug nicht gerade prall gefüllt. Bei einem ortsansässigen Klavierstimmer wurde ich nach einigem Suchen fündig: es handelte sich um ein 112cm hohes Nordiska-Klavier mit Rennermechanik aus Schweden, welches mich optisch und klanglich ansprach, v. a. aber mit 600€ auch sehr günstig war und mir mit den vom Verkäufer vermuteten fünfzig Jahren auch nicht zu alt erschien. Als ich spielerisch fortschritt, missfiel mir aber bald mehr und mehr der dumpfe Klang des Instrumentes, einige Töne in der Mittellage klangen auch nach frischer Stimmung durch den Verkäufer irgendwie verwaschen, der Bass war insgesamt auch eher brummelig.

Durch Zufall wurde ich im Internet auf Herrn Januschek aufmerksam und bat ihn zunächst zur Stimmung zu mir. Bereits nach dem Durchstimmen, was er recht bescheiden als "Grobstimmen" bezeichnete, war der Klang deutlich brillianter, präziser, schöner. Wir vereinbarten eine weiterführende Hammerkopfbearbeitung. Dies war auf jeden Fall auch die richtige Entscheidung, denn Herr Januschek "rettete" die äußerst ungünstig bearbeiteten Hämmer und intonierte diese neu, wodurch das Nordiska jetzt klingt, als ob eine Decke vom Gehäuse gezogen worden wäre, denn der Klang ist direkter und klarer, insgesamt einfach schöner. Zudem ist nun ein viel dynamischeres Spiel möglich.

Außerdem konnte mir Herr Januschek mitteilen, dass mein Klavier nicht aus den 50er oder 60er Jahren stammt, sondern im Stile des Bauhaus bereits Ende der 30er Jahre gebaut worden war, weshalb ich das "Kunstobjekt" jetzt noch lieber habe als zuvor. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Besuche von Herrn Januschek und kann seine Dienstleistungen nur herzlichst weiterempfehlen.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Hauck <<

Nordiska-Kompaktklavier aus den 1930er Jahren:
Stilistisch sehr ansprechend, technisch aktuell...

...aber mit schweren Intonationsmängeln behaftet:
Im Scheitel zerstochene Hammerkopffilze

Letzer Service: November 2015 (Familie H. wohnt inzwischen im Rothaargebirge)

 

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