Mai 2010

Zweimal Bechstein, ähnlich aber nicht gleich

Ein Bechstein-112 mit 115 cm Gesamthöhe, ein Bechstein-Millenium mit 116 cm. Das erstere, Baujahr 1986, bei Familie R. im Süden Hamburgs. Das letztere, Baujahr 2002, bei Herrn Rüdiger M., einem seit Jahren betreuten Klavierlehrer in Hameln. Beide Klaviere etwa gleich groß und richtig gut, und im Inneren unübersehbar verwandt, mit sprichwörtlicher Gediegenheit und unverwechselbarer Gussplatten-Optik. Doch ganz gleich sind sie nicht: Schon an anderen Bechstein-Modellen merkte ich, dass die Firma wohl Anfang der 1990er Jahre die Bemessung der Besaitungen grundlegend überarbeitet hatte.

 

Bei Bechstein stand jahrzehntelang konzeptionell ein Wohlklang aus Kraft und Wärme im Vordergrund - faszinierend sehr wohl, aber für empfindsame Gemüter bei manchen Tönen der Mittellage mit hochtönig-ziehigen Nebenklängen behaftet. Die neueren Modelle wirken insgesamt schlanker und "moderner" und in puncto Nebenklängen deutlich zurückhaltender. Der Klang ist jetzt um eine Nuance weniger markentypisch als früher - aber das passt halt zum Zeitgeist. Und da die original C.Bechstein-Instrumente nach wie vor herausragend sind, heben sie sich auch immer noch spürbar von der Masse ab.

Beiden erwähnten Klavieren war wegen deutlich von der Norm abweichender Tonhöhen mit einer einfachen Stimmung nicht mehr sinnvoll beizukommen. Sie bekamen von mir eine ganz neu aufgebaute Stimmung, mit dem Ziel optimaler klanglicher Entfaltung von der akustischen Anlage her. In beiden Fällen wurde mir dann die entsprechende Wirkung mit knappen Worten bestätigt.

Bei Familie R. gab die klavierspielende Tochter zu Protokoll:

>> Es klingt jetzt heller und freundlicher. <<

Und Herr M., der als Fachmensch des Klavierspiels sicher weiß was er sagt, kommentierte spontan und unschlagbar kurz:

>> Wow... KLANG! <<

Bechstein-112, 115 cm hoher Klassiker, 1986

Bechstein-Millenium, 116 cm hohes Designer-Klavier...

... und ein Blick in das gediegene Innenleben 

Übrigens - bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir eine diskrete Verbeugung vor dem Fachhändler, der Herrn M. sein Klavier neu verkaufte. Erfahrungsgemäß schafft es dieser Fachhändler wiederkehrend, für seine Kunden/innen das genau Richtige und perfekt Zufriedenstellende zu finden. Chapeau - er wird diese Bemerkung irgendwann sehen und wissen, dass er gemeint ist...

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