Dezember 2010, April 2011

Verunsicherungen aus dem Weg räumen 

Im Hause von Dr. Michael H., Arzt in Freiburg/Br., steht seit einigen Monaten ein Flügel Bechstein 200 cm von 1889, generalrenoviert im Handel erworben. Eine ganze Reihe von Verunsicherungen keimten nach und nach, seit der Flügel ankam: Wieso lässt er sich nicht gescheit leise spielen? Wieso läuft die Mechanik nicht optimal? Wieso stimmt - entgegen der Aussage des Händlers - die Spielart nicht, nachdem ein Silent-System nachgerüstet wurde? Herr Dr. H. trug sich bereits ernsthaft mit Rückgabe-Gedanken, als er mich anschrieb. Ein multi-dimensionales Aufgabenfeld kam auf mich zu.

Zwar war mir klar: Die Aufgaben sind lösbar; doch war ich im Vorwege etwas unruhig. Das legte sich im Verlauf der Arbeiten und wich in mancher Hinsicht großem Erstaunen.

Die vorgefundene Ausführung der Arbeiten an der Besaitung war nicht optimal. Das machte mich skeptisch - doch nach komplettem Neuaufbau der Stimmung schon wartete der Flügel mit einer ungewöhnlich nuancenreichen und tragfähigen Klangschönheit auf, die ihn m. E. vor den meisten zeitgenössischen Flügeln heraushebt. Eine sehr wichtige Wendung ins Positive!

Die Mechanik-Regulierung war durchaus brauchbar, aber sehr wohl mit einem Aufwand von anderthalb Tagewerken noch deutlich zu verfeinern. Und das Erstaunliche: Am neuen Silent-System lag nichts! Dieses filigrane postmoderne Nachrüstwerk tut im historischen Flügel nahezu unbemerkt und klaglos seinen Dienst. Verbeugung vor dem, der es einrichtete!

Die Hammerköpfe: o.k., aber auch hier gab es erhebliches aufwändiges Steigerungspotenzial, beginnend bei gründlicher Umkonditionierung von "hart" auf "mittelweich", gefolgt von manchen beherzten und vielen sehr feinen Eingriffen.

Ergebnis: Der Flügel ist ein Traum, das finde ich jedenfalls. Old Bechstein at his best. Dazu kommt auch noch, dass der Fachhändler eigens von sehr weit her kam und vor Ort äußerst hilfreiche klaviertechnische und logistische Problemlösungen in stundenlanger geduldiger Vorgehensweise hinbekam, deretwegen gleich mehrere regionale Firmen abgewunken hatten.

Dieser Bechstein-Flügel ist nun im allerbesten Sinne personalisiert, meine ich. Er hat seine besondere und erlebte Historie. Und ist, ganz nebenbei, ein wirklich wundervolles Instrument.

Man vergebe mir die Länge dieser Geschichte - Die Referenzworte von Herrn Dr. H. sind dafür kurz und ausdrucksvoll:


>> Sehr geehrter Herr Januschek,

nachdem ich zunächst einige Tage in Urlaub war, hatte ich jetzt wieder Gelegenheit, den Flügel zu spielen.
Der Flügel klingt jetzt viel angenehmer (weicher, etwas leiser, edler) und spielt sich ausgewogener.

Nicht nur der Klang ist fein geworden, auch ein gefühlvolles pp-Spiel ist jetzt wieder möglich.
Es ist doch eine ganze Menge Aufwand, einen Flügel zu optimieren - wie gut, dass es hierfür (überregionale) Spezialisten gibt.
<<
 



 Bechstein 200 von 1889
und Details des Nachrüst-Silent: wer das einrichtet, braucht Feingefühl! 

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