PianoCandle Blog

Martin Januschek ... PianoCandle

Das besondere Schaufenster für Menschen,
die sich für Klaviere und Flügel begeistern:

     Der neue PianoCandle BLOG.     

An diesem Platz der bisherigen "Piano-Börse" werden nun Tageserlebnisse, Hintergrundinformationen und Geschichten rund um Flügel und Klavier zu lesen sein. Schauen Sie gern bald wieder herein!

Bitte nehmen Sie gern auch mit mir Kontakt auf, wenn Sie über etwas Spezielles plaudern möchten.

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Hier noch eine Reminiszenz an die PianoCandle Piano-Börse:

Das Konzertklavier 132 cm J&P Schiedmayer (unten noch zu sehen) wurde 2011 verkauft.

Konzertklavier J&P Schiedmayer

 

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TAGES LICHTER

Montag, 13. Juni 2016 - ORLANDO

 

Die heutigen und gestrigen Nachrichten aus den USA sind schon sehr bedrückend. Der bislang schlimmste Amoklauf der Geschichte, so heißt es, ist nun verbunden mit der Stadt des Namens Orlando.

Orlando - so heißt auch der Rauhaardackel der Familie, deren Flügel ich vor wenigen Tagen bearbeitete. So sieht er im Garten aus...

Orlando im Garten

... und so kuschelt er unter dem Familienflügel (mit frisch geschorenem Fell):

Orlando auf dem Kuschelteppich unterm Flügel

Er hat eine besondere Begabung: Orlando kann singen. Und beim Klavierspielen singt er manchmal mit.

Eigentlich fand ich das nur faszinierend und lebensfreudig, und in einer Laune habe ich es aufgenommen. Mit der linken Hand ein bisschen in A-Dur improvisiert, mit der rechten Hand das Aufnahmegerät gehalten, und so ist, wenn auch etwas leise, Orlando der Rauhaardackel zusammen mit dem Familienflügel zu hören.

Wenn ich das heute höre, bekomme ich den Eindruck, diese musikalischen Minuten haben etwas Zeichenhaftes. Mir klingen sie, obwohl etliche Tage vor den schrecklichen Taten ohne Vorahnung aufgenommen, wie ein Stück Mitgefühl mit den Betroffenen und Angehörigen in Orlando, USA.

Hören Sie mal hinein:

ORLANDO

 

 

Sonntag, 12. Juni 2016 - Weitere Details vom Ibach "Zwergflügel" 155

 

Heute war ich wieder bei dem gerade erwähnten Ibach-Flügel, der herstellerseitig als "Zwergflügel" im Katalog (um 1913) stand. Mir sind weitere wahrhaft interessante Details aufgefallen.

Erstens: Die Tastenklappe dieses Flügels ist federleicht. Nur auf Höhe der Scharnieraufhängungen zieht sich dickes Holz von links nach rechts. Der Rest ist aus dünnem schichtverleimtem Bugholz. Das ist super praktisch; denn diese Klappe bleibt wegen des tief liegenden Schwerpunkts stets offen stehen, solange dies gewünscht ist. Es bedarf beherzter Fehlleistungen, die Klappe "versehentlich" zufallen zu lassen - und selbst wenn sie im Extremfall auf jemandes Finger fällt, tut das wegen des Leichtgewichts nicht ernsthaft weh. Eine genial einfache Alternative zur aktuell üblichen "SoftClose"-Technik!

Ibach 155 Tastenklappe

Zweitens: Der Langsteg, über den die Saiten von der tiefen Mittellage bis zum oberen Diskant laufen, verläuft nur auf Höhe der Saitenführungen in konstruktiv notwendigen Wellenlinien. Auf dem Resonanzboden dagegen hat er eine durchgehende kontinuierliche Linienführung, was im Detail zur gleichmäßigen Klangcharakteristik über alle Tonlagen beiträgt. Eine kluge Lösung.

Ibach 155 Langsteg-Linienführung

Drittens: Die drei Übergangstöne mit umsponnenen Saiten diesseits der Bassspreize haben einen winzigen eigenen "Tenorsteg" bekommen. Das ist heikel, weil es zu klanglichen und stabilitätsmäßigen Ungereimtheiten führen kann - im vorliegenden Fall funktioniert es allerdings sehr gut. Und im Nebeneffekt kann der Hauptsteg so konstruiert sein, dass für die letzten Drahtsaiten die größtmögliche Länge verfügbar ist. Ein durchdachtes Detail für einen sehr kleinen Flügel.

Ibach 155 Mini-Steg der Übergangssaiten

Viertens: Viele der Saiten des kleinen Ibach-Flügels verlaufen sehr schräg. Nun ist es im Klavier-und Flügelbau allgemein üblich, die Hammerköpfe an den Stielen so anzubringen, dass sie annähernd der Saitenlinie folgen. Ibach dagegen hat für seinen Zwergflügel diese Regel anscheinend fast vollständig vernachlässigt (dies sage ich mit Vorbehalt, denn beim vorliegenden Instrument wurden vor Zeiten schon einmal die Hammerköpfe ersetzt); die Hämmer stehen fast parallel nebeneinander, als ob die Mechanik zu einem geradsaitigen Instrument gehören würde. Der Vorteil davon: Zuverlässige Bewegungsabläufe sind mit solchen Hämmern deutlich leichter zu konstruieren. Der Nachteil: Solche Hämmer müssen stets rechtzeitig nachbearbeitet werden, denn sie können schon bei relativ geringem Verschleißgrad die Saiten der Nachbartöne berühren. Aber auch das kann sich letztlich zum Vorteil wenden - sofern das Instrument, der Not gehorchend, besser als andere in Pflege gehalten wird.

Ibach 155 Hammerkopf-Ausrichtung

Fünftens: Die überkreuzten Tiefbasssaiten verlaufen vor den vorderen Umlenkungen, den sog. "Agraffen", über ein schienenartiges Zusatzelement, eine sog. "Silie". Diese Saiten werden also sowohl hinten beim Steg, als auch vorn, je zweimal auf kurzer Distanz hart umgelenkt. Dadurch sind sie optimal gezwungen, ihre Schwingungsenergie wirklich im schwingenden Saitenteil abzugeben, was dem Klang vernehmbar zugute kommt.

Ibach 155 Tiefbass-Agraffen mit Silie

Zum Abschluss habe ich noch ein Klangbeispiel aufgenommen. Zu hören sind die besagten Tiefbasssaiten von Kontra-Fis bis Subkontra-A, und jeweils zuvor die zugehörigen Töne eine Oktave höher. Um die erstaunliche Bass-Tonalität dieses Winzlings wahrnehmen zu können, benötigen Sie brauchbare HiFi-Boxen oder Kopfhörer.

Ibach 155 Tiefbass-Klang

 

Donnerstag, 2. Juni 2016 - Gewagter Aufwand für fünf Zentimeter

 

Auch bei Flügeln gibt es seit vielen Jahrzehnten Bestrebungen, mit dem Raumbedarf zu geizen und dennoch mit dem Klang zu klotzen. Hier berichte ich von einem Ibach-Flügel, kurz vor dem ersten Weltkrieg gebaut, also schon deutlich über 100 Jahre alt. Er ist etwa 155 cm kurz und schafft dennoch eine Sonorität im Bassklang, die respektvolles Staunen gebietet.

Um dies zu ermöglichen, wurde bei Ibach eine besondere Ingenieursleistung vollbracht: Im Bassbereich wurden die Tiefbass-Saiten noch einmal über die höhertönigen Bassaiten hinweg gekreuzt, was ihnen etwas mehr schwingende Länge ermöglicht. Der Flügel ist also ein "Doppelkreuzsaiter". Um dies zu verwirklichen, wurde der Basssteg eigenständig und ungewöhnlich konstruiert. Die gesamte Bassbesaitung läuft dort nicht direkt durch Stegnägel, sondern durch offenbar eigens entwickelte metallene Umlenk-Einheiten, in denen die Saiten doppelt verschränkt und sicher gehalten werden. Für die Tiefbass-Saiten wurden diese Metall-Elemente gestielt und mit einer stabilisierenden Brücke gruppiert.

Verwirrend? Sehen Sie sich die Bilder an. Manches ist beim Ansehen viel leichter zu verstehen, als es mit Worten zu erfassen ist.

Die Konstruktion ist ziemlich gewagt. Über die Spannungs- und Druckverhältnisse muss man sich damals bei Ibach schon sehr genau Gedanken gemacht haben - und dies durchaus mit Erfolg, denn dieser Flügel wurde offensichtlich zu serienreifer Zuverlässigkeit gebracht. Es existieren auch heute noch genügend Exemplare, so dass mir dieses Flügelmodell im Laufe vieler Jahre mehrfach begegnete.

Schauen Sie sich die raffinierte Konstruktion dieses Bassstegs mit Doppelfunktion gut an - es sind im Web nicht so leicht Bilder davon zu finden. Zwar werden Sie durchaus Abbildungen von Ibach-Doppelkreuzsaitern finden - aber eher von dem etwas später, kurz vor 1920 gebauten Modell. Dieses ist bereits 160 cm lang und hat für die überkreuzten Tiefbasssaiten einen gesonderten Steg. Technisch ist das etwas einfacher; Vergleichbares gab es allerdings auch von anderen Herstellern.

Noch später, in den 1920er Jahren, hat Ibach dann einen Flügel gebaut, der dem 155-cm-Winzling mühelos das Wasser reichen kann. Er hat einen normalen Basssaitenverlauf ohne Zusatzkreuzung und Spezialelemente. Und er benötigt dafür auch nur 160 cm.

Ibach-DKS-Saiten

Ibach-DKS-Basssteg

Ibach-DKS-Umlenkungen

Unten nun noch ein Bild vom 160-cm-Nachfolgemodell aus den 1920er Jahren. Im aufgehellten Bereich ist mit etwas Mühe die normale Führung der Bassbesaitung zu erkennen. (Von meinem nächsten Besuch bei diesem Exemplar - voraussichtlich Ende Juni 2016 - werde ich ein aussagekräftigeres Foto mitbringen.)

Ibach-160

 

Mittwoch 11. Mai 2016 - Schon wieder was ganz Kleines

 

Gestern hatte ich ein Klaviermodell zu stimmen, von dem ich schon lange kein Exemplar mehr gesehen hatte. Nicht immer hatte ich das angemessene Verständnis dafür, aber nun habe ich ein bisschen meine eigene Meinung früherer Sturm-und-Drang-Zeiten nachkorrigiert.

Es geht um ein "Zeitter & Winkelmann" Klavier aus den 1960er Jahren. Das ist eine sehr alte deutsche Firma, mehrere Jahrzehnte vor Steinway und Bechstein gegründet, und in ihrer Glanzzeit bis in die 1930er Jahre hinein wurden dort stattliche und auch sehr große konzertante Klaviere gebaut. Und Respekt - diese Firma lebte nach Fabrikzerstörung und Weltkrieg noch weiter. Es wurden dann allerdings Kleinklaviere gebaut, sehr kleine Klaviere, und spontan treibts einem, der die alten großen Meisterwerke kennt, die Tränen in die Augen. Aber was soll's? Nach dem 2. Weltkrieg, bis in die 70er Jahre hinein, waren große Klaviere völlig aus der Mode - und Fabrikanten müssen nun mal von dem leben was gekauft wird. (Zeitter & Winkelmann, Braunschweig, wurde übrigens 1963 von Seiler, Kitzingen, übernommen.)

Gestern habe ich mal etwas genauer hingesehen. Das Z&W-Klavier von 1968 hat eine Höhe von 103 cm, nur unwesentlich mehr als die Minimalhöhe normal gebauter Klaviere. Aber der Klang ist trotzdem wirklich gut, mit einem herausragend klaren Diskant, einer wunderbar singenden Mittellage, und einem Bass der diesen Namen tatsächlich verdient. Und ich habe nachgemessen: Die längste Basssaite hat eine gespielte Länge von ca. 110 cm.

Zu Hause habe ich dann mit meinem geliebten Privatklavier verglichen. Das ist 134 cm hoch, Baujahr 1929. Und sein Klang ist zugegebenermaßen sehr wesentlich sonorer.

Woran das liegt? An der Saitenlänge allein wohl kaum. Denn die längste Basssaite toppt die des winzigen Z&W nur um 14 cm. Den Ehrgeiz, die Bauhöhe des Instruments technisch optimal auszureizen, hatte man bei diesem Klavier nicht, anders als bei dem kleinen Z&W.

Fazit: Da haben die bei Z&W damals ziemlich durchdacht verkleinert. Mit so einem Klavier kann man auch heute noch prima Musik machen. Wahrscheinlich stecken da noch ungeahnte Kapazitäten drin, die sich mit akustisch-konstruktiven Kniffen zu beachtlicher Größe entfalten lassen - wenn man will.

Hier das Innenleben des kleinen Zeitter & Winkelmann Klavieres, darunter das Innenleben von meinem Privatklavier.

 

Samstag 9. April 2016 - Ein altes Werbe-Gedicht

 

Mal was ganz anderes. In den 1980er Jahren, in meiner Hamburger Zeit, als ich mit den (auch heute noch durchaus sinnhaltigen) Slogans "Im Dienste der guten Stimmungen" und "Klavierstimmer mit Präzisions-Ohrwerk" Werbung für meine Angebote machte, hatte ich auch regelmäßig Anzeigen in der damaligen Wochenzeitung "Hamburger Rundschau" geschaltet. Für diese Zwecke hatte ich mir auch mal ein Gedicht einfallen lassen, und zwar eine Art Legierung aus Reimen, Schüttelreimen und Stabreimen. Den ersten Schüttelreim-Doppelbegriff habe ich schon seit gefühlten Ewigkeiten von irgendwo her im Kopf, der Rest ist echtes Eigenwerk.

Hier ist es:

Die Leiden des jungen W. A.

In Meister Mozarts Meisterklasse
klang das Klavier wie Kleistermasse.
Wild wallt die Wut in Wolfgangs Seele,
hört er der Saiten Stahlgewimmer,
doch dass sich dies zum Sonntags-Singsang lege,
ruft er zuvor, welch weise Wahl, den Stimmer.
Der tut sein Ohrwerk wohlgemut
und löst des Meisters Groll und Wut
von Dur bis Moll. Wie gut!

 

Ostersonntag, 27. März 2016 - Ist Hammerkopfbearbeitung ein Muss?
(Fortsetzung vom 26.3.)

 

Das gestern vorgestellte Klavier hat eine Hammerkopfbearbeitung bekommen, die bisherigen Bilder entstanden vor der Bearbeitung.

Auf dem nächsten Bild sehen Sie nun viele Hämmer, an denen verschiedene Stadien der Hammerkopfbearbeitung sichtbar werden.

Alle Hämmer sind bereits "konditioniert", wie ich das nenne. Das bedeutet: Mit einer speziellen Technik wurde der Filz so vorbereitet, dass die festgespielten Fasern in der Scheitelzone bis zum Holzkern hin wieder Luft bekommen und sich minimal gegeneinander bewegen können. Die Filzsubstanz bekommt also einen guten Teil ihrer zugedachten Elastizität zurück. Der so vorbereitete Hammerfilz kann deutlich schneller als zuvor von den angeschlagenen Saiten abprallen, die Saiten schwingen besser, der Klang knallt weniger.

Als nächstes werden die Hämmer "abgezogen", das heißt: auf Form geschliffen. Dabei verschwinden die überstehenden Flusen und somit auch die Rillen. Der Scheitel bekommt wieder eine Rundung, die möglichst sinnvoll zur Holzkernform passt. Ganz optimal geht das nicht, da möglichst viel Flankenfilz erhalten bleiben sollte; denn der Flankenfilz hält die Spannung im Scheitelfilz stabil. (Optimale Scheitelformen gibt es also nur bei neuem Hammerkopffilz.)

Es gehört zu den wichtigen Standards der PianoCandle-Hammerkopfbearbeitung, dass der Filz stets zum Scheitel hin abgezogen wird, um die starke Spannung im Scheitel bestmöglich zu wahren. Ein paar Hämmer links im Bild sind bereits unterseitig abgezogen.

In der Mitte des Bildes sind die Hämmer bereits beidseitig abgezogen. Es sind auch die Hämmer der vorigen Bilder darunter. Das sieht schon recht verheißungsvoll aus, aber noch nicht spielfertig.

Die Hämmer rechts im Bild sind im Prinzip fertig. Sie wurden nach der Formung geglättet und vom Staub befreit.

Stellen sie sich bitte den nun erzielten klanglichen Unterschied ähnlich deutlich vor wie den optisch sichtbaren Unterschied: Die so zubereiteten Hämmer leisten ihre Arbeit schnell (statt träge), klar (statt verhangen), farbig (statt matt), brillant (statt laut) und elastisch (statt hart). Hier noch ein vergrößerter Ausschnitt des obigen Fotos:

Es ist dann noch weitere Feinarbeit nötig. Darüber schreibe ich ein andermal.

Zugegeben: Das alles geht nur, solange noch genug Filzsubstanz vorhanden ist. Und am Ende ist der Hammerfilz nur im allergünstigsten Fall wie neu, jedoch mindestens so, dass er Lust macht.

Ich schließe hier mit einem Zitat aus Heinrich Spoerls "Feuerzangenbowle":
"Es est necht alles Gold, was glänzt, aber auch necht alles Dräck, was donkel est."

 

Samstag, 26. März 2016 - Ist Hammerkopfbearbeitung ein Muss?

 

Für Klaviere und Flügel gibt es keinen "TÜV". Insofern erstmal ein klares Nein zur Frage der Überschrift.

Insofern aber auch zugleich ein klares Ja dazu, dass jede/r Piano-Besitzende in aller Bedachtsamkeit Überlegungen anstellen kann über das, was sinnvollerweise getan werden sollte oder halt gelassen werden kann.

Piano-Hammerköpfe sind mit Filz bezogen, der durch das Anschlagen nach und nach verschleißt. Und nur mal knapp zur Verdeutlichung: Gesetzt den Fall, ein Hammer wird pro Klavierspielstunde zwanzig bis hundert mal betätigt, und es gibt 50-150 Klavierspielstunden im Jahr, dann errechnen sich daraus bereits zehntausend bis hundertfünfzigtausend  (10.000-150.000) Anschläge in zehn Jahren. Pro Hammer, versteht sich.

Als Folge der Beanspruchung bilden sich Rillen im Scheitelfilz der Hammerköpfe.

Aber warum sollte man die denn beseitigen, wo doch das Piano auch mit den Rillen prima spielt?

Wie gesagt - man muss ja nicht. Hier mal zur Anschauung ein Blick auf Hämmer eines über 100 Jahre alten Klavieres, das aktuell erfreulich lebendig genutzt wird:

Auf diesem Bild sind zehn stark eingespielte Hämmer der oberen Mittellage zu sehen, von oben fotografiert.

Nur bei einem davon - dem zweiten von links - ist zu erkennen, dass der Hammer die zugeordneten Saiten mittig trifft. Alle anderen Hämmer stehen nicht korrekt. Würde man sie korrekt ausrichten, dann treffen sie die Saiten mit dem vorstehenden Flausch statt den Rillen, was den Klang und seine Gleichmäßigkeit sehr stark verändert.

Mindestens einer der Hämmer - der dritte von rechts - hat offensichtlich kaum Kontakt zur rechten der drei zugeordneten Saiten, der erzeugte Klang wird beeinträchtigt oder enthält störende Nebenklänge. Auch beim ersten Hammer von rechts und dem dritten von links sieht es nicht gut aus.

Mehrere der Hämmer sind stärker abgespielt als die anderen, insbesondere der fünfte von rechts fällt sehr auf. Er erzeugt deshalb einen hörbar härteren Klang als seine Nachbarn.

Für das nächste Bild wurde die Kamera kopfüber verschwenkt, zu sehen sind nun frontal die Scheitel derselben Hämmer:

Die oben beschriebenen Mängel sind hier aus anderer Perspektive gut zu erkennen.

Außerdem wird sehr deutlich: Die eigentlich nahezu punktförmigen Aufschlagstellen für jede Saite sind inzwischen zu Strichen geworden, z. T. mit mehr als einem Zentimeter Länge. Die Ausdehnungen der Aufschlagstellen messen jetzt das Fünf- bis Zehnfache des Ursprünglichen. In Folge davon wird der erzeugte Klang arm an Obertönen, da bestimmte kurzwellige Klanganteile von ausgedehnten Aufschlagstellen nicht mehr angeregt werden können. Der Klang verliert große Teile seiner "Farbe".

Dieser Effekt wird noch durch die hohen vorstehenden Flusen neben den Rillen verstärkt. Der Hammer behindert sich sozusagen selbst bei der Klangerzeugung, da die Saiten bereits unmittelbar vor dem Anschlag von den Flusen angeschrapt werden und direkt nach dem Anschlag nochmals.

Alles so lassen?

Warum nicht - man kann ja immer noch Klavier spielen und bei entsprechender Entschlossenheit auch richtig gut Musik machen.

Ich dränge mich nicht auf. Wohl aber möchte ich Ihnen, falls sie dazu geneigt sind, "den Mund wässrig machen". Und zwar dafür, dass oft mit recht moderatem Einsatz sehr deutlich wahrnehmbare positive Veränderungen im Klang und im Spielgefühl möglich sind. Näheres dazu demnächst.

--- Fortsetzung folgt ---

 

Montag, 14. März 2016 - Das Grotrian-Gimmick für Klavier-Pedale

 

Jedes Piano hat Pedale. Beim Flügel sieht man hinter den Pedalen Stangen, die die Kraft nach oben zur Mechanik übertragen. Bei aufrechten Klavieren geschieht die Kraftumlenkung im Inneren hinter der unteren Vorderwand (dem "Unterrahmen"). An den Pedalen sind hinten wippende Hebel angebracht, die zur Seite führen und dort senkrechte Stößer betätigen. Diese Stößer wiederum beeinflussen im oberen Bereich des Klavieres Teile der Mechanik, und damit den Klang.

Das muss natürlich funktionieren, und zwar möglichst störungsfrei und ohne Klappern, Quietschen und Schaben. Was oft gar nicht so einfach ist bei einem Gestänge mit sechs oder mehr beweglichen Verbindungen.

Typischerweise haben die senkrechten Stößer oben und unten eine Steckverbindung. Das funktioniert gut - es ist aber im Service fummelig, wenn man mal oben die ganze Mechanik rausnehmen muss, weil dabei die von unten eingesteckten Stößer stören. Und erst recht wenn man dann die Mechanik wieder einbaut, wird es unkomfortabel, weil man sich dann bei vielen Klavieren unten ins Gehäuse legen muss, um von unten her die Stößer wieder nach oben einzupassen.

Viel servicefreundlicher ist die seit vielen Jahrzehnten verbreitete Bauweise, die Stößer innerhalb des Klaviergehäuses durch eine Führung zu lenken. Dann benötigen sie an der Mechanik keine Steckverbindung. Die Nachteile dabei: Zum einen ist die Konstruktion etwas aufwändiger, und zum anderen ist sie oft anfällig für Geräuschentwicklungen. Hier im Bild ein Blick von oben auf die geführten Stößer eines deutschen Marken-Klavieres:

Bei Grotrian-Steinweg-Klavieren (zumindest solchen aus den ca. 1970er bis 90er Jahren) findet sich nun eine Sonderlösung: Unten im Wipphebel sind die Stößer gesteckt, oben aber nicht. Und durch eine hölzerne ausgetuchte Öse geführt werden sie auch nicht. Stattdessen werden sie mittels einer Blattfeder am Tastentisch verschraubt und dadurch zugleich exakt positioniert. Diese Idee ist insofern genial, weil sie auf sehr einfache Weise perfekt funktioniert und zugleich als Führung geräuschlos ist. Im folgenden Bild sind solche Stößer zu sehen, von schräg unten her gegen den Tastentisch fotografiert.

Prekär wird es nur, wenn nach Jahren klaglosen Dienstes so eine Feder mal bricht. Dann funktioniert von einer Sekunde zur nächsten das Pedal nicht mehr, und es ist auch sehr schwierig, eine zuverlässige provisorische Abhilfe zu schaffen. Da ist dann Geduld vonnöten. Man muss leider dann einfach warten, bis die neue Blattfeder eingetroffen und eingebaut ist.

 

Freitag, 11. März 2016 - Nochmal: Tastenvorderhebel

 

Vielleicht wundern Sie sich, weshalb ich dieses Thema wichtig finde.

Die Bedeutung der Tastenhebellänge für die Güte der Spielart wurde sehr lange vernachlässigt. Etliche renommierte Markenfabrikate hatten jahrzehntelang erstaunlich kurze Tasten, z. T. gilt das auch heute noch. Desweiteren hatten während der gesamten DDR-Zeit die meisten der dort produzierten Klaviere sehr kurze Tasten. Und später setzte sich dieser unvorteilhafte Trend viele Jahre lang bei den Digitalpianos fort.

Gönnen Sie sich selbst mal eine kleine Demonstration: Spielen Sie auf Ihrem Klavier oder Flügel einen H-Dur-Akkord. Sie werden gleich merken: Das geht ganz prima. Denn da drücken Sie die Tasten H-Dis-Fis-H jeweils ganz vorn, und demgemäß dort wo sie ihr Norm-Spielgewicht von jeweils ca. 50g haben. Aber Sie wissen wie ich: H-Dur kommt recht selten vor. Nicht nur wegen der fünf Kreuze...

Gleich direkt daneben liegt B-Dur, eine viel häufigere Tonart. Nun spielen Sie also einen B-Dur-Akkord: Da liegen Sie mit Daumen und kleinem Finger vorn auf den schwarzen Tasten, und Zeige- und Mittelfinger müssen tief hinten hinein ins D und F. Dort ist die effektive Hebellänge wesentlich kürzer, und die Finger haben entsprechend mehr Gewicht zu drücken. Bei großzügigen Konstruktionen sind das etwa 100-150g, was bestens funktioniert.

Auch bei einer Konstruktion wie der des Mannborg-Pianochord (siehe 25.2.16) bleibt man da noch bei gut 150 bis unter 200g. Damit lässt sich leben. Anders sieht es beim Manthey-Klaviano aus und bei anderen Klavieren mit extrem kurzen Tasten: Dort drücken Sie beim B-Dur-Akkord mit Ihrem Zeige- und Mittelfinger je mindestens 200g bei D und F, und wenn Sie etwas nach hinten in die Taste rutschen, können es schnell auch 400g werden. Was mal eben das 8-Fache des Normgewichts ist und schlicht nicht geht.

Die beiden Fotos unten wurden an einem Flügel mit recht komfortablen Hebelmaßen gemacht.


 

Mittwoch, 9. März 2016 - Nachtrag zum Klavier mit Untertasten-Mechanik

 

Unten nun noch zwei Bilder zum Vergleich. Das erste Bild zeigt das kleinste mir bekannte Yamaha-Klavier. Es ist 100 cm hoch - und würde da mit der Höhe konsequent geknausert werden, so könnte man sogar noch ca. zwei bis fünf Zentimeter abzwacken. Aber warum sollte man? Eher könnte es sinnvoll sein, das Klavier etwas von unten her aufzubocken. Dann bekommt es klanglich mehr Luft, und der arg niedrige Tastentisch wird auch für langbeinige Spieler nutzbar.

Wie unschwer zu erkennen ist, hat dieses Klavier ganz konventionell seine sehr kompakt gefertigte Mechanik oberhalb der Tasten.

Das nächste Bild wirft einen Blick auf die Tasten-Vorderhebel eines modernen ca. 115 cm hohen Klavieres. Deren Konstruktion ist wohl nicht wirklich optimal, es gibt bei gleicher Baugröße durchaus andere Klaviere mit deutlich längeren Tasten-Vorderhebeln.

Im Vergleich mit den hier abgebildeten Tasten schlägt sich das zuvor beschriebene Mannborg-Kleinstklavier ergonomisch ganz gut, finde ich.

 

Donnerstag, 25. Februar 2016 - ein Klavier mit Untertasten-Mechanik
(Fortsetzung vom 23.2.)

 

Hier in den Bildern sehen Sie links das wohl bekannteste Mini-Klavier, das "Klaviano" der Firma Manthey. Daneben das erwähnte Mannborg-"Pianochord" im geschlossenen Zustand.


Im nächsten Bild sehen Sie ein Hebeglied des Manthey-Klaviano von schräg unten. Halbrechts ist die Stoßzunge zu erkennen, die den Hammer betätigt. Halblinks, das runde Holzstück (eine sog. "Puppe"), ist der Angriffspunkt des Drahtes, der von oben her kommt und von der Taste betätigt wird.

Dieser Angriffspunkt macht aus dem Hebeglied einen sehr langen Hebel. Drum muss auch die zugehörige Taste einen langen Hinterhebel haben, um den nötigen Hub zu erreichen. Und das wiederum führt dazu, dass bei Klavieren dieser Konstruktion der Tastenvorderhebel extrem kurz ist, was zu einem schwer dosierbaren und sehr unausgewogenen Spielgefühl führt. Hier ein Blick auf die Tasten des Klaviano:

Und hier zum Vergleich ein Blick auf die Tasten des Mannborg-Pianochord. Die haben gar keine Hinterhebel. Aber die Vorderhebel sind deutlich länger als beim Manthey, insbesondere für die weißen Tasten, die beim Spielen oft weit hinten gedrückt werden. Die so erreichte Spielart lässt sich wesentlich besser kontrollieren.

Das Mannborg-Klavier hat, wie gesagt, unten zusätzliche Phantomtasten eingebaut, die von oben, von den Tasten her, vorn durch Druck betätigt werden. Und dort wirken dann auch die oben fehlenden Hintertasten und betätigen die Hebeglieder an einem wesentlich kürzeren Hebel-Angriffspunkt, ähnlich wie bei einem normal großen Klavier.

Diese Bauart ist, wie gesagt, wesentlich aufwändiger, da sie mehr bewegliche Teile benötigt. Aber das zahlt sich dort aus, wo es letztlich entscheidend ist: Beim Klavierspielen. was ja der Zweck von allem ist.

 

Dienstag, 23. Februar 2016 - ein Klavier mit Untertasten-Mechanik

 

Normal gebaute Klaviere, bei denen die Mechanik im Innern des Gehäuses hinten auf den Tasten steht, gibt es ab einer Höhe von etwa 100 cm. Doch es gab Zeiten, da konnten die Klaviere gar nicht "klein" genug sein, und da waren 100 cm Höhe noch zu viel. Obwohl doch eigentlich die Höhe für die Platzbeanspruchung kaum eine Rolle spielt.

Es wurden etwa seit den 1930er Jahren Klaviere mit nur etwa 90 cm Höhe gebaut. Für deren Mechanik musste man sich dann was Neues einfallen lassen: Man baute sie im Gehäuse unterhalb der Tasten ein, und die Tasten wurden dann mittels starker Drähte oder Holzstängel, so genannter "Trakturen", nach unten zur Mechanik hin gekoppelt. Der damit verbundene bauliche Zusatzaufwand war beträchtlich. Und wenn später mal Service-Maßnahmen nötig waren, konnten diese Winzlinge regelrecht zum Albtraum werden; denn schon manche kleine Arbeit an irgend einem Ton konnte mit aufwändigen Demontage- und Montagearbeiten verbunden sein, und für die Kundinnen und Kunden mit unerwartet hohen Kosten.

Heute hatte ich ein solches Klavier zu stimmen, eines von "Mannborg" aus Leipzig, gebaut ca. 1936.

Dieses Klavier hat mich in mehreren Punkten überrascht.

Erstens, das Stimmen des Instruments war weniger schwierig als es manchmal bei so gebauten Instrumenten der Fall ist. Zweitens, der Klang war durchaus respektabel, was bei einer derart kurzen möglichen Saitenlänge schwerlich zu erwarten ist. Drittens, außer dem notwendigen Stimmen gab es erstmal nichts Wesentliches zu bemängeln. Alle drei Punkte sind zwar überraschend oder mindestens ungewöhnlich, aber nicht sonderlich spektakulär.

Viertens allerdings war doch etwas Überraschendes dabei, was wirklich größere Beachtung verdient: Das Spielgefühl, die "Spielart" dieses Klavieres, war erstaunlich gut und fein dosierbar, wie bei einem großen Klavier. Und das liegt daran, dass hier eine besonders aufwändige Koppelung der Tasten zur Mechanik verwendet wurde. Das werde ich in den nächsten Tagen anhand von Bildern näher erläutern.

Kurz gefasst: Üblicherweise wird bei Klavieren dieser Bauart die Taste eines Tones mittels eines langen Drahtes direkt an das "Hebeglied" der Mechanik, das den Hammer vortreibt, gekoppelt.

Bei dem Mannborg-Klavier dagegen wird die reale Taste nach unten hin zu einer zusätzlichen Phantomtaste gekoppelt, die dann erst das Hebeglied betätigt.

Die Vor- und Nachteile sind hier demnächst zu lesen.

--- Fortsetzung folgt ---

 

Dienstag, 2. Februar 2016 - Neuer Hammerfilz für Bechstein A
(Fortsetzung vom 26.1.)

 

Eine Neubefilzung der Hammerköpfe ist, bei Verwendung des optimalen Materials, für den Klang eines Pianos eine enorm wirksame Frischzellenkur. Aber etwas anderes kommt noch hinzu.

Die erneuerten Köpfe haben mehr Material und ein größeres Volumen:

Die gesamte Mechanik muss darauf angepasst und durchreguliert werden. Und im Effekt wird dann auch das Spielgefühl dank dem größeren Hammergewicht deutlich griffiger und satter, ähnlich wie es im Urzustand einst gewesen sein muss.

Ein Bechstein A, über 100 Jahre alt, ist schon ein sehr charmanter und charakterstarker Flügel nach so einer Prozedur. Mit seinen gut 180 cm Länge und seiner knappen Breite (nur 85 Tasten) ist er schön kompakt im Wohnzimmer, zugleich ist er in der Melodielage gesangreich, im Diskant sehr präsent, und im Bass zwar klar und sonor aber nicht überdominant.

 

Dienstag, 26. Januar 2016 - Neuer Hammerfilz für Bechstein A
(Fortsetzung vom 24.1.)

 

Bei dem hier besprochenen Bechstein-A waren die Hämmer nicht nur hart und unfein im Klang. Sondern sie waren wirklich ziemlich verbraucht und schon mehrfach abgezogen. Und letzteres auch nicht unbedingt in bester Manier: An bestimmten Stellen war deutlich zu erkennen, dass gruppenweise beschliffen wurde, so dass der Filz einzelner Hämmer dann unsymmetrisch schief verblieb. (erstes Bild unten)


In einer früheren Phase der Bearbeitung dieses Flügels hatte ich hier schon manches nachkorrigiert. Schon allein dafür, um - in Abstimmung mit dem Kunden - einen Vorgeschmack dafür zu erwirken, wie der Flügel wohl klingen kann, wenn er mal neuen Filz auf die Hämmer bekommt. Auf den unteren Bildern ist ein Hammer zu sehen, dessen weitgehend verbrauchter Filz auch noch stark verformt ist. Durch sorgsame Nachbearbeitung wurde er dann wieder für ein paar Jahre gut nutzbar.

 

Das ist nun Geschichte. Die Neubefilzung wurde von der renommierten und mir seit vielen Jahren vertrauten Firma Abel gemacht, die auf sowas spezialisiert ist. Und dort gibt es auch seit etlichen Jahren einen so genannten "Naturfilz", der wohl weniger chemisch vorbehandelt wird als konventioneller Hammerkopffilz. Genaueres kann ich vielleicht irgendwann an anderer Stelle berichten, vermutlich dann in einem eigenen Kapitel.

Ich bin jedenfalls fast so lange, wie es diesen Naturfilz gibt, davon voll überzeugt, und fühle mich durch viele begeisterte Kundinnen und Kunden bestätigt. Dieser Filz bringt ab Werk Eigenschaften mit, die ich bei vielen Klavieren und Flügeln durch behutsame und zugleich beherzte Arbeit nachträglich erziele. Der Naturfilz ist, trotz starker Spannung, nicht nur in einer oberen Schicht nahe der Anschlagstelle elastisch, sondern weitgehend homogen bis zum Holzkern des Hammers. Erzeugt wird ein präziser, nuancenreicher und kraftvoller Klang, der zugleich souverän, unangestrengt und charmant zu Ohren kommt. So etwas ist im Normalfall nur durch gründliche Intonationsarbeit in mehreren abgestimmten Arbeitsschritten zu erzielen. Hier dagegen kommt die Intonation zurück in ihre eigentlich zugedachte Rolle der feinen Ausgleichung des Klanges. Und im vorliegenden Fall, kaum zu glauben, war nur ein einziger Ton ernsthaft intonationsbedürftig. Ansonsten ist der Klang wirklich durch alle Lagen fast optimal gleichmäßig. Dies allerdings, muss ich der Fairness halber sagen, ist selbst bei optimalem Filz eher ein Ausnahmefall.

--- Fortsetzung folgt ---

 

Sonntag, 24. Januar 2016 - Neuer Hammerfilz für Bechstein A

 

In der Tat, meine Krankenkasse hat alles wieder gut gemacht. Ist schon fast wieder vergessen...

Nun also, wie angekündigt: Ein Bechstein-Flügel Typ A hat neu befilzte Hämmer bekommen. Das ist schon eine der aufwändigeren Angelegenheiten, die gut überlegt sein will, denn alles in allem kostet das einen durchaus vierstelligen Euro-Betrag. Wenn aber die Substanz des Instruments stimmt, wie im aktuellen Fall, dann schmeckt und genießt man am Ende, wenn alles geschafft ist, jeden Cent davon.

Klavierhämmer sind bekanntlich mit Filz bezogen. Vermutlich macht sich kaum jemand Gedanken darüber, weshalb eigentlich Filz, wenn er auf Metallsaiten schlägt, besser klingt als nacktes Holz. Das scheint selbstverständlich zu sein. Es lohnt sich aber dennoch, mal etwas tiefer zu blicken: Holz ist hart. Aber Wolle, also Haare, sind eigentlich auch hart, denn sie bestehen aus Hornmaterial wie Fingernägel, Krallen oder Hufe. Wenn nun also Filz elastisch ist und entsprechend klingt, liegt das nicht am Material selbst, sondern an der Art der Verbindung der einzelnen Härchen miteinander. Und in der Tat: Die miteinander verfilzten Haare bewahren eine minimale Restbeweglichkeit, und zwischen ihnen befinden sich überall mikrofeine Luftpolster. Erst diese beiden Eigenschaften machen aus harter Hornsubstanz ein dauerelastisches und hoch belastbares Material, das für Pianohämmer ideal einsetzbar ist.

Diese beiden notwendigen Eigenschaften machen aber den Hammerfilz auch anfällig für Verschleiß und für Behandlungsfehler. Wenn Hammerkopffilze altern, dann werden sie insgesamt spannungsärmer, also weicher. Aber an der belasteten Stelle, dem Hammerscheitel, wird der Filz zunehmend plattgeklopft, die interne Beweglichkeit nimmt ab und die Luftpölsterchen verschwinden nach und nach. Diese Effekte werden noch durch die Notwendigkeit, stark genutzte Hammerköpfe "abzuziehen", also von Rillen zu befreien und nachzuformen, gesteigert. Häufig ist es zwar möglich, die Elastizität der Substanz durch gezielte behutsame Maßnahmen zu regenerieren, aber irgendwann kommt die Zeit, dass der Ersatz des Filzes das angesagte und anzuratende Mittel der Wahl ist. Spätestens dann, wenn der Klang im Kern hart und unfein wirkt und auflockernde Nachbearbeitungen nur noch kurzlebige Besserungen erwirken.

--- Fortsetzung folgt ---

 

Dienstag, 12. Januar 2016

 

Ein aufregendes Wochenende liegt hinter mir:

- Aus dem Chor, in dem ich mitsinge und mitgestalte, zog sich ein geschätztes und musikalisch kompetentes Mitglied zurück. Das beunruhigte mich, und nicht nur mich, bis Montag. Dann hatten wir Chorprobe, die erste im neuen Jahr. Es wurde eine unerwartet gute Probe mit viel Power, viel Mut, und einem gut gelaunten Chorleiter mit Schwung und guten Ideen.

- Am Freitag flatterte mir ein offensichtlich falscher und absurd begründeter Beitragsbescheid meiner Krankenkasse ins Haus, der mir rückwirkend ab Dezember meine Zahlungen verdoppeln wollte. Klar - das würde wieder zurecht zu rücken sein. Aber wer kennt nicht die Versicherungen? Wenn man da nicht aufpasst wie ein Schießhund, saugen die einem von jetzt auf gleich das Konto leer. Und das ist ziemlich blöd, auch dann, wenn man es später wieder kriegt. Und noch viel blöder ist sowas, wenn man sich ein Wochenende lang mit sowas aufregen muss und schon mit Riesenärger ab Montag früh deswegen rechnet. Immerhin: Sofort Widerspruch über Hotline und eMail eingelegt, Einschreibbrief zusätzlich vorbereitet. Erheblicher Zeitaufwand den ich gern in was Netteres gesteckt hätte. Und dann die Erlösung, Montag früh: Es erreichte mich ein bilderbuchmäßig seriöser und kompletter Entschuldigungsbrief per eMail. Per Post wird er auch noch kommen. Alles ist wieder gut. Aber das Wochenende ist weg.

- Am Samstag ging es außerdem um die Wurst im Ringen um ... aber gut jetzt. Nicht alles gehört von jetzt auf gleich ins Netz.

Also, heute war Dienstag. Und jetzt ist endlich mal wieder ein Flügelprojekt dran. Eines, wo neue Hammerkopffilze die Hauptrolle spielen. Ich werde berichten.

 

Mittwoch, 6. Januar 2016

 

Oje, kaum kam der Jahresanfangsgruß, schon ist der Dreikönigstag vorbei.

Und für Klaviere und Flügel war noch kaum Zeit, weil mich erstmal eine Erkältung flachgelegt hatte und zur Terminverschiebung zwang. Und dann noch der übliche Jahresanfangsverwaltungskram - und heute unser Christbaum und die ganze Deko weg, und nun grinst uns der Karlsruher "Winter" in seiner besonders grauen und nieselnassen Variante an.

Ich grinse freundlich zurück. Es gibt bald Interessanteres zu erzählen.

 

Freitag, 1. Januar 2016

 

Liebe Leserinnen und Leser, Kundinnen und Kunden, Freundinnen und Freunde,

ab heute wird dem PianoCandle Blog Leben eingehaucht.

Ihnen allen wünsche ich einen guten Start in das neue Jahr - mit herzlichen Grüßen!

Martin Januschek

 

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KONZERTKLAVIER J&P SCHIEDMAYER

Der Name Schiedmayer zählt zu den ältesten und den besonders klangvollen im deutschen Tasteninstrumentenbau. Firmen aus diesem Familiengeschlecht gab es seit dem 18. Jahrhundert in etlichen Städten Süddeutschlands, in Sachen Klavierbau insbesondere in Stuttgart. Die "Schiedmayer Pianofortefabrik" wurde von Julius und Paul Schiedmayer 1853 gegründet, also sinnigerweise in dem Jahr, als auch Steinway, Blüthner und Bechstein anfingen. Heute gibt es diese Firma, wie sehr viele andere, leider nicht mehr. Doch genoss sie in ihrer Zeit einen hervorragenden Ruf für erstklassigen Klang und sehr gute Verarbeitungsqualität.

Den heute noch existierenden Pianos, insbesondere denen aus den späten 20er bis frühen 30er Jahren, ist dies sofort anzumerken: Ihr klarer, warmer und kultiviert druckvoll-voluminöser Klang überzeugt spontan. Nach Klangtyp und Bauart stehen diese Instrumente in einer Reihe mit den besten gleich großen zeitgenössischen Instrumenten von Bechstein (Berlin), Steingraeber (Bayreuth) und Zeitter & Winkelmann (Braunschweig) - und mit diesen teilen sie auch den Wohlklang eines großen Markennamens und die gediegene Qualität.

Über die frühere PianoCandle Piano-Börse wurde im Sommer 2011 das hier beschriebene 132 cm Konzertklavier J&P Schiedmayer von 1932/33 in sehr schönem Zustand verkauft.